MediathekView Web: der Browser-Zugang zu ARD, ZDF und Co.

Kein Download, keine Installation, kein Java. Sie öffnen eine Seite im Browser, tippen einen Filmtitel ein und bekommen eine Liste aller öffentlich-rechtlichen Mediatheken, in denen dieser Titel gerade liegt. Das ist der ganze Trick von MediathekViewWeb. Und genau deshalb nutze ich es inzwischen häufiger als die Desktop-Version.

Ich rede hier nicht von einem grauen Portal. MediathekViewWeb ist die Web-Variante des bekannten Open-Source-Projekts MediathekView, das seit Jahren die Mediatheken von ARD, ZDF, arte, 3sat, KiKA, MDR, NDR, WDR, BR und SWR durchsucht und die Treffer in einer einzigen Oberfläche bündelt. Statt eine Software zu installieren, läuft das im Browser. Fertig.

Wichtige Erkenntnisse

  • MediathekViewWeb bündelt die Mediatheken öffentlich-rechtlicher Sender in einer einzigen Suchmaske, komplett im Browser
  • Sie brauchen kein Java, keine Installation und kein Konto, nur einen aktuellen Browser mit aktivem JavaScript
  • Die Trefferliste zeigt Sender, Thema, Titel, Kurzbeschreibung, Dauer und das Ablaufdatum jeder Sendung
  • Der Direktdownload funktioniert für viele Formate, aber nicht für alles, was in der Desktop-Version geht
  • Der Server indexiert die Mediatheken regelmäßig, trotzdem kann eine Sendung zwischen zwei Durchläufen verschwinden
  • Rechtlich bewegen Sie sich in einer Grauzone, die sich mit dem reinen Privatgebrauch anders darstellt als mit Weiterverbreitung

Was MediathekView Web genau macht

Die Funktionsweise ist unspektakulär und gerade deshalb gut. Ein Server durchsucht in festen Abständen die Schnittstellen der einzelnen Sender und sammelt die Metadaten aller dort gelisteten Beiträge ein. Diese Sammlung landet in einer Datenbank. Wenn Sie im Browser eine Suche starten, fragen Sie im Grunde nur diese Datenbank ab.

Was MediathekView Web genau macht

Das erklärt auch, warum die Ergebnisse so schnell erscheinen. Sie warten nicht darauf, dass zwölf Mediatheken gleichzeitig antworten.

Welche Sender sind vertreten?

Vertreten sind die großen öffentlich-rechtlichen Anbieter. Private Sender wie RTL, ProSieben oder Sat.1 fehlen, weil ihre Inhalte nicht über vergleichbare offene Schnittstellen abrufbar sind. Wer dort etwas sucht, wird hier nicht fündig.

  • ARD und ihre Landesrundfunkanstalten
  • ZDF
  • arte, 3sat und KiKA
  • MDR, NDR, WDR, BR, SWR und weitere Regionalprogramme
  • Deutschlandfunk und einige Kulturangebote

Was kostet das?

Nichts. Das Projekt ist kostenlos und quelloffen. Spenden sind möglich, aber freiwillig. Es gibt keine Konten, keine Abos, keine Werbeeinblendungen. Für mich war das anfangs irritierend, weil man bei so einer glatten Oberfläche automatisch nach dem Haken sucht. Der Haken liegt woanders, dazu später mehr.

Erste Schritte: so suchen und finden Sie konkrete Sendungen

Die Oberfläche besteht im Kern aus einem Suchfeld und einer Filterleiste. Wer zum ersten Mal dort landet, sieht auf den ersten Blick eine lange Tabelle und denkt: Was soll ich damit anfangen?

Ein Beispiel aus meinem eigenen Alltag. Ich wollte eine Tatort-Folge nachsehen, deren Ausstrahlung ich verpasst hatte. Titel eingegeben, Enter. Ergebnis: 14 Treffer aus verschiedenen Sendern, weil dieselbe Folge teils in der ARD-Mediathek, teils in Regionalmedatheken und teils in einer Wiederholungsschleife lag. Ohne die Filterspalten hätte ich zwanzig Minuten damit verbracht, die richtige Version zu suchen.

Die Filter richtig nutzen

Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer frustrierenden und einer schnellen Suche. Die Liste lässt sich nach mehreren Kriterien eingrenzen:

  1. Sender, falls Sie nur bei einem Anbieter suchen wollen
  2. Thema, was die Sendung grob einordnet
  3. Titel, für den exakten Namen
  4. Dauer, nützlich wenn Sie kurze Beiträge statt langer Filme suchen
  5. Ablaufdatum, damit Sie nichts finden, was in zwei Tagen verschwindet

Das Ablaufdatum ist das Feld, das ich am häufigsten übersehen habe. Viele Sendungen verschwinden nach einer festgelegten Frist aus der Mediathek, teils nach sieben Tagen, teils nach einem Jahr. Wer eine Sendung nur vormerkt und zwei Wochen später wiederkommt, findet sie unter Umständen nicht mehr.

Download oder ansehen in der Vorschau?

Jeder Treffer lässt sich anklicken. Sie landen dann entweder beim Original beim Sender oder bekommen eine direkte Datei angeboten. Ich habe beides ausprobiert und nutze inzwischen fast immer den Direktlink, weil ich Sendungen lieber offline schaue. Bei einem Test mit einer 45-Minuten-Dokumentation lag die Datei nach etwa zwei Minuten auf der Platte. Das ist kein Rekord, aber es reicht.

MediathekView Web und der Java-Client im Vergleich

Der wichtigste Irrtum, dem ich lange aufgesessen bin: Beide Varianten sind nicht deckungsgleich. Der Java-Client kann mehr, aber er kostet Zeit bei der Einrichtung.

MediathekView Web und der Java-Client im Vergleich
Merkmal MediathekViewWeb Java-Client
Installation keine, Browser genügt Java-Laufzeit nötig
Startgeschwindigkeit sofort erst nach dem Filmlisten-Abgleich
Download über Direktlinks, je nach Quelle echte Download-Warteschlange
Untertitel eingeschränkt umfangreicher, je nach Sender
Filmlisten-Verwaltung keine, rein serverseitig lokal, filterbar, exportierbar
Plattformen alles mit aktuellem Browser Linux, Windows, macOS, Android

Wann sich der Java-Client trotzdem lohnt

Wenn Sie regelmäßig ganze Serienstaffeln sichern wollen, ist der Java-Client die bessere Wahl. Er merkt sich, was Sie bereits heruntergeladen haben, und lässt Sie Sendungen in eine Warteschlange legen statt einzeln durchzuklicken. Bei einer Serie mit 22 Episoden habe ich im Browser irgendwann aufgegeben und bin zur Desktop-Version gewechselt. Kein Drama, aber eine ehrliche Grenze.

Wann MediathekView Web die bessere Wahl ist

Für alles Spontane. Sie sitzen an einem fremden Rechner, wollen schnell prüfen, ob eine Sendung noch verfügbar ist, und sind in zehn Sekunden fertig. Genau dafür ist die Web-Version gebaut.

Was Sie vor dem ersten Klick wissen sollten

JavaScript muss aktiv sein. Ohne das bleibt die Seite leer, und ich habe schon mehr als eine Support-Anfrage gesehen, die genau daran scheiterte.

Der zweite Punkt ist unangenehmer. Manche Inhalte sind geogeblockt, andere werden über DRM geschützt ausgeliefert. In beiden Fällen hilft die beste Suchoberfläche nichts, weil die Datei selbst nicht abrufbar ist. Ich habe das bei einigen Sportübertragungen erlebt, wo der Treffer in der Liste stand und der Download anschließend ins Leere lief.

Gibt es einen MediathekView-Download für Android und iOS?

Für Android existiert eine eigene App-Variante des Projekts. Unter iOS ist die Lage unübersichtlicher, weil im App Store keine vergleichbare offizielle Anwendung angeboten wird. Auf dem iPhone bleibt vielen Nutzern nur der Umweg über den Browser, was auf dem kleinen Display mühsam, aber machbar ist.

Verschwinden Sendungen wirklich plötzlich?

Ja, und der Grund ist banal. Der Server indexiert in festen Abständen. Zwischen zwei Durchläufen kann eine Sendung aus der Mediathek genommen werden, während sie in der Liste noch auftaucht. Umgekehrt erscheint eine frische Sendung unter Umständen erst ein paar Stunden später. Wenn ein Titel fehlt, den Sie sicher erwartet hätten, lohnt ein zweiter Versuch am nächsten Tag mehr als jede Fehlersuche. Mir ist das bei einer politischen Diskussionsrunde passiert, die ich unbedingt sehen wollte. Am Abend war sie nicht auffindbar, am nächsten Morgen stand sie in der Liste.

Rechtliche Grauzone bleibt Grauzone

Hier wird es ungemütlich, und ich werde nicht so tun, als gäbe es eine saubere Antwort. Das Herunterladen von Sendungen für den privaten Gebrauch wird in Deutschland in der Praxis weitgehend toleriert, solange Sie die Dateien nicht weitergeben. Die öffentlich-rechtlichen Sender dulden das Mitlesen ihrer offenen Schnittstellen seit Jahren, ohne rechtlich dagegen vorzugehen.

Wer die Dateien jedoch weitergibt, sie in Tauschbörsen einstellt oder daraus eigene Angebote baut, verlässt diesen Bereich deutlich. Ich habe mir deshalb eine einfache Regel gesetzt: Was ich herunterlade, bleibt auf meiner Festplatte. Nicht geteilt, nicht hochgeladen, nicht in irgendwelche Clouds geschoben.

Für kommerzielle Nutzung gilt ohnehin, dass Sie sich mit dem jeweiligen Sender auseinandersetzen müssen. Das ist keine Rechtsberatung, sondern das, was ich nach mehreren Jahren Nutzung als vernünftige Linie empfinde.

Mein Fazit nach Jahren mit dem Browser-Umweg

MediathekViewWeb ist kein Ersatz für den Java-Client. Es ist der schnellere Einstieg, der für die meisten Alltagssituationen reicht und für alles Größere an seine Grenzen stößt. Wer einmal pro Woche eine Sendung nachschauen will, wird nie wieder etwas anderes brauchen.

Was mich bis heute beschäftigt, ist weniger die Technik als die Frage dahinter. Die öffentlich-rechtlichen Sender produzieren Sendungen, die über Gebühren finanziert sind, und nehmen sie nach festgelegten Fristen wieder aus ihren Mediatheken. Ein Projekt wie dieses sammelt, was sonst verschwindet. Ob das nun ein Dienst an der Allgemeinheit ist oder eine Umgehung gewachsener Strukturen, hängt davon ab, wen Sie fragen. Ich habe meine Antwort gefunden, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht die einzige bleibt.